Mein Sohn in Uganda und Abenteuer in Ostafrika

Noch eine zusätzliche Geschichte:

Der wilde Norden Ugandas

Von der südsudanesischen Grenze erreicht der Bus nach weiteren zweieinhalb  Stunden die Provinzhauptstadt. Gulu und der gesamte Norden Ugandas war bis vor wenigen Jahren eine sogenannte No-Go-Aera. Hier wüteten die Terroristen der „Lord’s Resistance Army“, die vom Sudan unterstützt wurden, weil Uganda mit den  südsudanesischen Freiheitskämpfer kooperierte. Nach der Autonomie des Südsudan im Jahr 2005, welche der Selbstständigkeit voraus ging,  konnte die ugandische Armee die Terroristen in ihre Rückzugsgebiete verfolgen. Nun treiben sich die Banditen in der Demokratischen Republik Kongo herum, Sammelbecken für Banden aus den gesamten Nachbarländern. Zu allem Unglück brach in Gulu im Jahr 2000 auch noch die Ebola-Epidemie aus.

Man hat den Eindruck, dass die Menschen nach der schlimmen Zeit nun richtig glücklich sind, das drückt sich auch in außergewöhnlicher Freundlichkeit gegenüber mir als einem der wenigen Msungos aus. Mein Busnachbar kümmert sich um ein Motorradtaxi, die werden hier Boda Boda genannt, und im Nu bin ich in einem kleinen Hotel und bekomme für wenig Geld ein wirklich sauberes Zimmer mit heißer Dusche, was will man mehr.

Gulu © Wolfgang Stoephasius
Gulu © Wolfgang Stoephasius

 

Am nächsten Morgen geht es mit dem Motorradtaxi in wenigen Minuten zum Bus, es ist gar nicht weit und ich hätte bequem zu Fuß gehen können. Ich habe in dem großen Bus wieder ganz vorne einen bequemen Sitzplatz. Allerdings muss ich nach zwei Stunden in ein Matatu, einen Minibus, umsteigen. Das ist wieder Afrika pur, und ich sitze eingequetscht zwischen liebenswürdigen Menschen. Zum Glück dauert die Fahrt auf holpriger Lehmpiste nur 40 Minuten und ich werde direkt vor meiner Herberge in Masindi abgesetzt. Der kleine Bungalow ist blitzsauber und kostet umgerechnet nur 15 Euro.

Die Provinzhauptstadt  ist in Wirklichkeit ein aufgeräumtes kleines Städtchen und die Menschen denen ich begegne sind auch hier außerordentlich freundlich, zum Glück  noch nicht vom Tourismus verdorben. Am Nachmittag unterhalte ich mich mit einem angenehmen jungen Pärchen aus Spanien. Er ist mit dem Motorrad den weiten Weg von Europa hierhergekommen und hat seine Gefährtin heute Morgen am Flughafen in Entebbe abgeholt. Sie ist ziemlich groggy nach einer Nacht im Flugzeug und der langen Fahrt hierher. Ich frage an der Rezeption nach einem  Auto mit Fahrer für die nächsten Tage. Die junge Frau empfiehlt mir Sam, ist einen angenehmen Zeitgenossen und umsichtige Fahrer.

Sam © Wolfgang Stoephasius
Sam © Wolfgang Stoephasius

 

Es ist ziemlich weit von Masindi zum Murchinson-Falls-National-Park, ein große Savannen- und Urwaldgebiet. Wir fahren zunächst zu den Fällen. Dort erwartet mich ein ungeheures Spektakel. Es hat in  den letzten Tagen sehr viel geregnet, deshalb stürzen die Wassermassen mit ungeheurer Wucht in die Tiefe. Der Nil kommt hier aus dem riesigen Victoriasee, strömt in den Albertsee und fließt dann weiter in Richtung Sudan.

Murchinson-Fälle © Wolfgang Stoephasius
Murchinson-Fälle © Wolfgang Stoephasius

 

Mein Quartier im Red Chilli Camp habe ich telefonisch bestellt und kann mich gleich einer Bootstour auf dem Nil anschließen.  Flusspferde lugen aus dem Wasser, reißen ab und zu ihre riesigen Mäuler auf und zeigen ihre mächtigen Eckzähne, gewaltige Krokodile liegen regungslos wie Baumstämme am Ufer, Vögel sitzen in Büschen, ziehen ihre Kreise,  ein einsamer Elefantenbulle stellt drohend seine Ohren auf.

Flusspferde © Wolfgang Stoephasius
Flusspferde © Wolfgang Stoephasius
Elefant © Wolfgang Stoephasius
Elefant © Wolfgang Stoephasius

 

Das Boot fährt bis vor die herabstürzenden Fälle und schließlich geht  es wieder zurück zum Camp. Ich übernachte in einer spartanisch eingerichteten aber sauberen Hütte. In der Lodge treibt sich viel junges Volk herum, es ist dennoch eine angenehme relaxte Atmosphäre. Ich freunde mich mit einem charmanten Schweizer Ehepaar in den Fünfzigern an. Am nächsten Morgen muss ich früh raus, es geht mit Sam auf Safari in den nördlichen Teil des Parks. Wir müssen erst mal mit der Fähre den Fluss überqueren. Es gibt in der spektakulären Savannenlandschaft viel zu sehen. Büffel beäugen uns neugierig, Giraffen recken ihre langen Hälse, einige Löwen liegen faul im Gras, Antilopen äsen ruhig, beginnen urplötzlich davonzuhasten, in einem See vergnügt sich eine große Hippo-Herde.

Büffel © Wolfgang Stoephasius
Büffel © Wolfgang Stoephasius
Giraffe und Löwe © Wolfgang Stoephasius
Giraffe und Löwe © Wolfgang Stoephasius

 

Am Nachmittag geht es zurück nach Masindi, wo ich wieder den schönen Bungalow vom letzten Mal beziehen kann, stelle mich nach der staubigen Fahrt gleich unter die Dusche und dann passiert es. Ich rutsche auf den unglaublich glatten Fliesen aus und stürze. Ich glaube, da ist ein ganzes Schwadron von Schutzengeln bei mir, natürlich viele von denen, die mir meine Renate geschickt hat. Reflexartig reiße ich den Arm nach oben  und knalle so geschützt an die Kante des Waschbeckens. Der Kopf ist abgeschirmt und ich trage nur einen blauen geschwollenen Finger, innen aufgebissenes  Backenfleisch, eine dicke Wange und eine kleine Beule am Kopf davon. Also alles noch mal gut gegangen. Die kleinen Blessuren werden auch bald heilen. Am nächsten Tag erzählt mir  Sam, dass im Nachbarhotel ein Mann auf ähnliche Weise gestürzt und dabei gestorben ist. Ich werde  um 6:30 Uhr von ihm abgeholt. Er kennt sein Land wie seine eigene Hosentasche, mit seinen 35 Jahren hat er schon sechs Kinder, der Älteste ist 15, das Jüngste, ein Mädchen, ein Jahr alt. Er erzählt mir, dass er vor einigen Jahren mit Touristen unterwegs war und von den Banditen von „Lord‘s Resistance Army“ überfallen wurde und total ausgeraubt worden ist. Er meint, er könne glücklich sein, dass er und seine Mitreisenden mit dem Leben davon gekommen sind. Sam ist mit den Leuten am Eingang zum Nationalpark befreundet, so kann ich mit einer „Spende“ von 20 Dollar den Eintritt auf weniger als die Hälfte reduzieren. Der Bosungo-National-Forest ist einer der noch wenigen intakten Regenwälder in Ostafrika mit riesigen Mahagonibäumen. Mit einem Führer, der bestens mit der Natur vertraut ist, marschiere ich  in den Wald.

Auf Pirsch © Wolfgang Stoephasius
Auf Pirsch © Wolfgang Stoephasius

 

Wir entdecken tatsächlich eine kleine Gruppe von Schimpansen. Das ist gar nicht so einfach, weil die Tiere ständig ihren Aufenthaltsort ändern. Sie sitzen  in der Krone eines riesigen Feigenbaumes, so um die 30 Meter über dem Boden. Ich kann ihnen recht gut beim Fressen und Entspannen zusehen. Plötzlich beginnt es ganz offensichtlich zu regnen. Tatsächlich pisst aber ein Männchen in riesigem Strahl herunter, ich stehe direkt neben der „Einschlagstelle“. Es ist einfach etwas anderes, Tiere in freier Wildbahn zu beobachten, als sie im Zoo zu sehen. Später erzählen mir Österreicher, wie sie die Jagd der Chimps auf einen Affen erlebt haben, den sie gefangen und mehr oder weniger bei lebendigem Leib verspeist haben, das schlimmste dabei sei der schreckliche Gestank gewesen.

Schimpanse im Baumwipfel © Wolfgang Stoephasius
Schimpanse im Baumwipfel © Wolfgang Stoephasius

 

Die Busfahrt von Masindi nach Kampala geht, als wir endlich auf der Straße sind, flott voran. Ich habe mir am Tag vorher am Busbahnhof schon das Ticket geholt – und 30 000 Shilling verstanden, die hat der Fahrkartenverkäufer problemlos genommen, bis ich sah, dass auf dem Ticket 13000 stand. Als ich ihm das sagte, hat er mir den Rest kommentarlos mit freundlichem Gesicht zurückgegeben und begrüßt  mich am heutigen Morgen freundlich mit Handschlag. Er ist gar nicht böse, dass er es mal mit einem schlauen Msungo zu tun bekommen hat. So kostet die Fahrt von über 200 Kilometern schlappe 3,50 Euro. Der Bus sollte eigentlich um 8 Uhr starten. Erst müssen aber noch Passagiere eingesammelt werden. Die Männer von Link, so heißt die Busgesellschaft, in ihren grünen Overalls springen  herum, erinnern dabei irgendwie an Laubfrösche, und ziehen potentielle Passagiere zum Bus, „entführen“ sie vom wartenden Matatu, dem ebenfalls abfahrbereiten Minibus. Als es nach einer dreiviertel Stunde vermeintlich los geht, ist es aber noch lange nicht wo weit. Der Bus rollt im Schritttempo durch den Ort und die grünen Männchen sammeln weitere Passagiere ein und dann geht es erst einmal zum Tanken. Als wir den Ortsausgang erreichen, ist freie Fahrt angesagt und der bullige Bus rast in einem Höllentempo los. Ich habe wieder mal Glück, sitze in der Dreier-Bank hinter dem Fahrer und habe  nur eine ältere bescheidene Frau neben mir, habe also Platz genug und freien Blick auf die Landschaft. Bereits um 11:30 Uhr sind wir am Stadtrand vom Kampala. Exakt da  beginnt der alltägliche Stau. Wir brauchen eine gute halbe Stunde bis zum riesigen Taxi- und Busstand. Hier steigen fast alle Fahrgäste aus, nur ich muss noch fast eine halbe Stunde sitzen bleiben und warten, bis  der Bus ins Depot einfahren kann, das geht nur schrittweise. Erst dort kann mein Trolley aus dem Kofferraum genommen werden.

Busterminal in Kampala © Wolfgang Stoephasius
Busterminal in Kampala © Wolfgang Stoephasius

 

Justament in dem Moment beginnt es zu regnen. Zum Glück habe ich aber mein Regencape griffbereit. Mit einem Motorradtaxi geht es flott zum Backpacker, meinem Hostel in Kampala. Haffie, die Bürotussi, hat mein Gorillapermit für den kommenden Freitag besorgt. Eigentlich  hätte ich die Möglichkeit, mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin zu fahren, das ist allerdings in der kurzen Zeit, die ich zur Verfügung habe, kaum zu schaffen und wäre mit Sicherheit fürchterlich anstrengend. Also entschließe ich mich, den Transport mit Quartier und allem Drum und Dran organisieren zu lassen. Das ist zwar alles andere als billig, ersparte mir aber viele Unannehmlichkeiten.

Infos zu Uganda

Uganda: „Meine” UN-Staaten – zum 179sten

und zum Südsudan

Südsudan: „Meine” UN-Staaten – zum 193sten – und zum Letzten

 

Advertisements