Eine Familie bei Savannakhet

Baci-Zeremonie © Wolfgang Stoephasius
Baci-Zeremonie © Wolfgang Stoephasius

 

Im Link zu Laos wird einiges zu dieser Story erzählt und es gibt dort auch einen Video-Clip zur Baci-Zeremonie

Laos „Meine” UN-Staaten – zum 89sten

 

Zusätzlich zur Story im Buch hier noch ein Reisebericht aus dem Jahre 2009

Laos, ein Land im Umbruch

Tempel in Chian Mai © Wolfgang Stoephasius
Tempel in Chian Mai © Wolfgang Stoephasius

 

Mit einer kleinen Träne im Auge verlassen  wir unser schönes Quartier im thailändischen Chiang Mai und fahren gemeinsam mit anderen Travellern in einem bequemen Minibus an den Mekong. Nach sechsstündiger Fahrt, unterbrochen von  einer angenehmen Mittagspause, kommen wir ausgeruht im Grenzort Chiang Khong an, wo ein rustikales Hotel mit einem Zimmer direkt am Mekong auf uns wartet. Am nächsten Morgen geht es mit dem Langboot über den Fluss und schon an der Grenze wartet das Personal von der Schiffsagentur auf uns und hilft uns bei den Einreiseformalitäten für Laos. Auf dem bequemen Schiff Pak Ou, ganz aus Teakholz, schippern wir gemütlich den großen Strom hinunter.

Auf dem Mekong © Wolfgang Stoephasius
Auf dem Mekong © Wolfgang Stoephasius

 

Der Mekong kommt aus Tibet und legt 4180 km zurück, bis er hinter Saigon in das südchinesische Meer mündet. Wir legen bei unserer zweitägigen Fahrt gerade mal 310 km zurück und werden vom Personal nach allen Regeln der Kunst verwöhnt. Unterwegs übernachten wir in einer naturbelassenen Lodge im laotischen Stil. Während der Reise besuchen wir kleine Dörfer und einen sehenswerter Höhlentempel mit unendlich vielen Buddhastatuen. Laos hat ungefähr 6,5 Millionen Einwohner, welche sich in drei ethnische Hauptgruppen und an die 50 Minoritäten aufgliedern. Als Puffer zwischen den Kolonialmächten England und Frankreich hat es schon früher schlimme Erfahrungen sammeln müssen, welche im amerikanischen Vietnamkrieg fürchterlich eskalierten. War in den Fünfzigern des vergangenen Jahrhunderts Laos noch das Land, welches die umfangreichste amerikanische Pro-Kopf -Wirtschaftshilfe bezog, wollte die Ironie des Schicksals, dass das Land in den 70er Jahren von den ehemaligen Freunden von einem Bombardement ungeahnten Ausmaßes überzogen wurde. Das Land hat sich mittlerweile recht gut von den Schicksalsschlägen erholt und sucht seinen Weg innerhalb der südostasiatischen Tigerstaaten, obwohl es noch immer zu einem der ärmsten Länder der Welt gehört.

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Höhlentempel bei Luang Prabang © Wolfgang Stoephasius

Schließlich kommen wir in die Weltkulturerbestadt Luang Prabang, angeblich die sehenswerteste Stadt in ganz Südostasien. Die Stadt ist fest in touristischer Hand – und das Angebot voll auf den Geschmack der Traveller ausgerichtet. Freilich liegt sie wunderschön auf einer Halbinsel zwischen Mekong und seinem Nebenfluss Nam Khan. Wir lassen uns von einem Langboot auf die andere Seite des Mekong hinüber schippern. Dort findet nach wie vor das beschauliche dörflich laotische Leben statt, völlig unberührt von der Hektik, den überzogener Tourismus nun einmal mit sich bringt. Von einem Tempel auf einem Hügel haben wir einen einmaligen Blick auf die erhabene Flusslandschaft. Luang Prabang selbst glänzt im Schein seiner goldenen Tempelfassaden und abends unter den Lichtern des unendlich erscheinenden Nachtmarktes mit seinem nicht enden wollenden Angebot an allem erdenkbaren Krimskrams, den Touristen so lieben, aber auch so manch schöner Kostbarkeit aus Seide oder Silber und wertvoller Handarbeit, alles zu unschlagbar günstigen Preisen, daneben ein Fressmarkt mit einem beeindruckenden kulinarischen Angebot und die Nase kitzelnden orientalischen Düften. Der eine oder andere Tempel und Streifzüge durch die weniger auf der Liste der Touristen stehenden Teile der Halbinsel stehen auf dem Programm. Aufschlussreich ist der Besuch des ehemaligen Königspalastes, welcher jetzt ein Museum ist. Luang Prabang war ja einst die Hauptstadt von Laos. Der letzte König wurde von den Pathet Lao, den kommunistischen Partisanen, nach der Machtübernahme im Jahre 1975 in ein Umerziehungslager gesteckt und ist dort vier Jahre später gestorben.

Auf kurvenreicher Straße geht es durch mächtige Berglandschaft an schauerlichen Abgründen vorbei nach Phonsavan in der „Ebene der Tonkrüge“.

Ebene der Tonkrüge © Wolfgang Stoephasius
Ebene der Tonkrüge © Wolfgang Stoephasius

 

Wir stellen fest, dass es eigentlich „Ebene der Steinkrüge“ heißen müsste, weil diese bis zu 2,50 Meter hohen Gefäße augenscheinlich  aus massivem Fels geschlagen wurden. Es stehen hunderte herum – und niemand weiß, wer sie gefertigt und hierher gebracht hat. Diese Gegend ist besonders von den schweren Luftangriffen der Amerikaner von 1964 bis 1973 gezeichnet. Noch immer werden Menschen von in der Erde liegenden Bomben getötet oder verletzt, darunter viele Kinder, welche die bunten Splitterbomben für Spielzeug halten. Auf Laos gingen mehr Bomben nieder, als auf ganz Japan und Deutschland im 2. Weltkrieg. Und das in einem Krieg, den es eigentlich gar nicht gab, er fand sozusagen unter „Ausschluss der Öffentlichkeit“ statt. Das Unfassbare aber ist, dass die USA als Verursacher pro Jahr lediglich 5 Millionen Dollar für Bombenräumaktionen beisteuern,  meist als Lieferung von Minensuchgeräten, von denen es eh genug gibt, aber so verdient die US-Industrie mit. Nötig wäre Fachpersonal! Für die Suche nach den sterblichen Überresten amerikanischer Vermisster im Land werden im Jahr 30 Millionen Dollar ausgegeben.

Splitterbombe © Wolfgang Stoephasius
Splitterbombe © Wolfgang Stoephasius

 

Die Weiterreise mit einem der üblichen Transportmittel, einem Minibus, führt uns  nach Vang Vieng. Die erste Hälfte der Strecke führt nochmals über diese  gotterbärmliche Kurvenstraße, die wir von der Herfahrt schon kennen, dann geht es aber recht gemächlich durch die Ebene. Die Stadt ist ein richtiges Touristenmekka geworden. Sie liegt an einem kleinen Fluss vor spektakulären Karstbergen. Unser erster Ausflug findet bei strömendem Regen statt. Wir sehen einige Höhlen und schlittern auf lehmigem Boden darin herum,  mit einem LKW-Reifenschlauch geht es entlang eines Seiles im Wasser tief in eine dieser Höhlen hinein. Einen weiteren Tag nutzen  wir zu einer großen Fahrradtour, zusammen mit Sabine und Rüdiger aus dem Ruhrgebiet, nette Leute. Wir haben diesmal Glück mit dem Wetter,   bedeckter Himmel, Temperaturen unter 30 Grad. Die Landschaft mit den Reisfeldern in denen Wasserbüffel waten und den kleinen ursprünglichen Dörfern mit spielenden winkenden Kindern vor der Kulisse des Karstgebirges ist einfach traumhaft. Wir überqueren mehrmals Flüsse auf Furten oder balancieren über provisorische Brücken. Dorfbewohner betätigen sich als Wegelager und wir müssen bei jeder Querung so etwas wie Brückenzoll entrichten, sei es ihnen vergönnt.

Landschaft bei Vang Vieng © Wolfgang Stoephasius
Landschaft bei Vang Vieng © Wolfgang Stoephasius

 

Vang Vieng ist, obwohl oder gerade deshalb, weil es in einer unglaublich schönen Landschaft zwischen Karstbergen liegt, mittlerweile zu einer Art südostasiatischem Ballermann verkommen. Vollgekiffte oder angesoffene Englischsprechende laufen im Bikini oder in der Badehose durch den Ort, ohne Respekt vor der Kultur des Landes. Unser nächstes Ziel ist die Landeshauptstadt Vientiane. Dort dirigieren  wir ein Tuk Tuk zu Hat, dem ehemaligen Gärtner meiner Tochter Juttas, als diese hier an der Uni als Deutschlehrerin arbeitete. Er ist nun Wächter in einem Reisebüro. Wir hatten ihn und seine  Familie anlässlich eines Besuches bei Jutta vor drei Jahren besucht und die lieben Menschen in unser Herz geschlossen. Der kleine Mann mit der runden Brille sieht  uns schon von weitem, kommt auf uns zugelaufen und umarmt uns vor Freude weinend.  Er trägt eine schicke Uniform an, allerdings mit einer viel zu langen Hose, auf welcher er mit seinen abgelatschten Schuhen herumtritt. Wir verabreden uns mit Hilfe eines englischsprechenden Mitarbeiters der Firma und abends kommt Hat mit seiner Frau Noi und den beiden Kindern, zwei süße Mädchen Valida und Malivan, fünf und acht Jahre alt, mit dem Moped zu uns in die Unterkunft  und wir haben einen wunderschönen Abend in einem laotischen Barbecue-Restaurant, wo sich die Familie am Feuertopf so richtig den Bauch vollschlägt und den Abend sichtlich geniest.

Gemeinsames Essen am Fluss © Wolfgang Stoephasius
Gemeinsames Essen am Fluss © Wolfgang Stoephasius

 

Die Kinder sind schon beim Eintreffen total aus dem Häuschen. Vanni, eine laotische Lehrerin, die mit Jutta an der Uni Deutsch unterrichtet hatte,  nimmt sich frei und kommt  mit ihrem Schwager mit einem Pick Up zum Hotel. Zunächst geht es  in ein  Shopping-Center und wir versorgen die ganze Familie mit Schuhen und kaufen den Kindern Barbie-Rucksäcke. Wir essen gemeinsam Mittag. Natürlich haben  wir auch ein größeres Geldgeschenk dabei und etliche Aufmerksamkeiten aus Europa. Die Familie lebt nun seit drei Monaten in Sivelei, einem Stadtteil von Vientiane unter ärmlichen Verhältnissen. Sie können dort vorläufig umsonst leben, weil Noi für die Hausbesitzerin, eine entfernte Verwandte, an der Straße Gebrauchsgegenstände verkauft. Ansonsten hat sie im Moment keinen Job. Wie lange das wohl gehen wird, weiß kein Mensch. Der Mekong führt im Moment ganz wenig Wasser, aber wir genießen den Sonnenuntergang an unserem letzten Abend bei einem Bierchen mit Blick auf Thailand auf der anderen Seite der Lebensader Südostasiens.

Abendstimmung am Mekong © Wolfgang Stoephasius
Abendstimmung am Mekong © Wolfgang Stoephasius
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Veröffentlicht in Asien