Begegnung mit Albert Schweizer, die Suche nach einer Wunderdroge und der Weg über eine schwierige Grenze

Äquatorialguinea

Mein erstes Ziel der Zentralafrika 2008 ist Äquatorialguinea. Ausganspunkt ist Duala, das Wirtschaftszentrum  von Kamerun.  Als mir im Jahr zuvor  der Schamane in den Mandara-Bergen prophezeit hatte, dass ich nochmals nach Kamerun kommen würde, habe ich ihn im Geheimen ausgelacht. Weit gefehlt! Bei der Planung meiner jetzigen Tour hat es sich zwangsläufig so ergeben, dass der Ausgangspunkt in Duala, dem Wirtschaftzentrum von Kamerun, liegt. Ich wollte eigentlich direkt nach Malabo, die Hauptstadt von Äquatorialguinea, fliegen, hatte den Flug mit Air France schon gebucht und bin dann an den komplizierten Visabestimmungen gescheitert, musste den Flug gegen Zahlung einer heftigen Gebühr stornieren und die Reiseplanung völlig neu beginnen.

Busbahnhof in Duala © Wolfgang Stoephasius
Busbahnhof in Duala © Wolfgang Stoephasius

 

Ich wohne im  Seemannsheim und am frühen Morgen klopft der am Abend vorher bestellte Taxifahrer brav an meiner Tür. Von der Busgesellschaft, die das deutsche Autobahnkennzeichen im Logo führt, reise ich sehr bequem im sogenannten Prestige-Bus nach Younde, die Hauptstadt Kameruns. Es gäbe zwar eine kürzere Verbindung entlang der Küste in das Nachbarland. Da ich aber widersprüchliche Meinungen gehört habe, ob der Grenzübergang dort überhaupt offen ist, habe ich den Weg durch das Landesinnere gewählt. Nach dreieinhalb  Stunden bin ich in der weit verzweigten Stadt, die ich ja von meiner letzten Afrikareise schon sehr gut kenne und mit einem Taxi geht  es vom gut organisierten Busbahnhof zum anderen weit entfernten Autobus-Terminal, nun aber einen echt afrikanischen Busbahnhof, hier herrscht ein unglaubliches Gewusel. Ich warte gut zwei Stunden und in gut fünfstündiger Fahrt  zockle ich  schließlich mit einem altersschwachen Toyota-Minibus, in dem ich nun zwar eng aber doch irgendwie bequem sitze, direkt an die Grenze. Ich übernachte in einer einfachen Herberge. Das Zimmer ist sauber, statt einer Dusche steht der obligatorische Eimer mit Wasser bereit. Es ist ein Sonntag, als ich frühmorgens mit einem Motorradtaxi zum Grenzübergang fahre. Nach einiger Warterei bekomme ich problemlos den Ausreisestempel. Das frankophone Kamerun liegt nun hinter mir und das einzige Spanisch sprechende schwarzafrikanische Land erwartet mich. Der Einreisebeamte in Äquatorial-Guinea ist ziemlich wirsch, wahrscheinlich weil ich ihn in seiner Sonntagsruhe störe, und für den Stempel muss ich in etwa acht Euro Gebühr abdrücken. Dafür wird mein Gepäck nicht durchsucht. Ich habe zwar nichts zu verbergen, aber so eine Ausrüstungsfilzerei kostet einfach Zeit und man muss oft höllisch aufpassen, dass nichts verloren geht. Also ist die Abgabe gut investiert. Mit dem Taxi, wie so oft eine alte Kiste japanischer Bauart geht es zum nicht weit entfernt gelegenen Busbahnhof und dort bekomme ich schnell einen Platz in einem Minibus, der wie nahezu obligatorisch  in Afrika, arg eng besetzt ist und auch gleich abfährt, weil ich den letzen freien Platz belege. Auf hervorragend ausgebauter Straße bringt mich das Gefährt  in vier Stunden nach Bata an der Atlantik-Küste. Bata ist eine Geisterstadt, die aus breiten Boulevards besteht auf welchen nur wenig Menschen unterwegs sind. Das Geschäftsleben scheint  voll in den Händen von Libanesen zu sein,   aber auch einige Chinesen haben sich mit kleinen Läden niedergelassen. Ich leiste mir ein ordentliches Zimmer mit Dusche und Klimaanlage.

Hotel in Bata © Wolfgang Stoephasius
Hotel in Bata © Wolfgang Stoephasius

 

Äquatorialguinea dürfte eigentlich gar nicht so heißen, liegt es doch nördlich vom Äquator. Es hat ungefähr die Größe von Oberbayern und ca. 500.000 Einwohner. Die Hauptstadt Malabo liegt auf einer Insel. Ich bereise den Festlandteil, Rio Muni genannt. Mitte der 90er Jahre wurde off-shore unendlich viel Erdöl entdeckt. Das machte das kleine Land nach Nigeria und Angola plötzlich zum erdölreichsten Land Afrikas. Das Pro-Kopf-BIP entspricht dem von Luxemburg, das Land könnte also eines der reichsten der Welt sein, aber defacto leben nahezu alle Einwohner von dem sprichwörtlichen Dollar pro Tag. Den großen Reibach macht der gnadenlose Diktator Obinga, der 1979 den vorherigen Präsidenten, seinen Onkel, umbrachte, und nun das Land mit Terror und Folter regiert. Das mit völliger Billigung durch die USA, welche dafür das Erdölvorkommen ausbeuten. Schurkenstaaten sind also nur die, welche den Amis nicht ihre Bodenschätze überlassen, oder keine haben – so einfach ist das. Der kriminelle Sohn der Eisernen Lady, Mark Thatcher, wollte im Jahre 2004 das Blatt zu Gunsten der britischen Erdölindustrie wenden, Er heuerte eine Kompanie südafrikanischer Söldner an und wollte die Regierung stürzen. Der Plan missglückte  – und die Soldateska wurde in Zimbabwe bei einer Zwischenlandung arrestiert.

Obwohl es keinen Stadtplan gibt – seit dem versuchten Putsch sind Karten absolut verboten – kann ich mich in der auf dem Reißbrett geplanten Stadt leicht zurechtfinden. Ich muss  zum Tourismusministerium um mir meine Reisegenehmigung zu holen. Diese brauche ich und muss dafür auch noch einen erklecklichen Betrag hinblättern, obwohl ich in Deutschland schon einen irren finanziellen Aufwand treiben musste. Zusätzlich zu der Einladung (Letter of Invitation), welche eine Stange Geld gekostet hat – und nur durch verschlungene Pfade zu erstehen war, musste ich einen HIV-Test und ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, um überhaupt ein Visum  zu erhalten.  Aber was tut man nicht alles, um die letzten weißen Flecken zu begradigen. Schließlich laufe  ich auch noch zum Konsulat vom Kongo-Brazzaville, um mir ein neues Visum zu besorgen. Ich habe nämlich festgestellt, dass die Einträge in dem in München beim Konsulat, positioniert in einem Antiquitätengeschäft in der Ludwigstraße, erstellten Visum nicht mit meinen Reiseplänen korrespondieren. Vor einer Änderung auf eigene Faust habe ich mich nach den schlechten Erfahrungen in Kasachstan, die mich fast ins Gefängnis gebracht hatten, sicherheitshalber gehütet.

Im Nationalpark © Wolfgang Stoephasius
Im Nationalpark © Wolfgang Stoephasius

 

Schließlich geht es auf  staubiger Piste zum Monte Alen Nationalpark, angeblich ein echter Geheimtipp. Das Ganze entpuppte sich als eine Art Lachnummer. Ich finde zwar ein recht angenehmes Quartier in der Lodge, wunderschön am Rand des Urwaldes auf einer Anhöhe mit herrlichem Ausblick auf die untergehende Sonne gelegen.  Hier bin ich aber wieder einmal, wie so oft in Afrika, der einzige Gast. Zum Glück habe ich als eiserne Ration ein paar Fischdosen, Brot sowie Wasser dabei, zum  Essen gibt es nämlich nichts. Ich streife an zwei Tagen mit einem einheimischen Führer durch den Dschungel. Es gibt aber überhaupt keine Fauna, nicht einmal Vögel, zu sehen. Das Problem in Zentralafrika ist das sogenannte Bushmeat. Jeder Gorilla, Schimpanse oder sonstiges Säugetier landet in manchen Gegenden unweigerlich im Kochtopf. Hier hat man es offensicht auf jede Art von Getier abgesehen. Hatte ich das Glück auf der Hinfahrt in einem Pick Up in der Fahrerkabine zu sitzen, muss ich bei der Rückfahrt auf die Ladefläche – und das auf roter sandiger Piste. Bei meiner Ankunft in Bata sehe ich aus, als hätte man mich in Zimt getaucht.

193 – „Meine“ UN-Staaten – zum Achten

Erstes Ziel in Gabun ist Lambarene, der Ort in welchem Albert Schweitzer so viel Gutes getan hat. Er stand in regem Briefaustausch mit Albert Einstein.

Brief von Einstein an Schweitzer © Wolfgang Stoephasius
Brief von Einstein an Schweitzer © Wolfgang Stoephasius

 

Als ich Äquatorialguinea verlassen hatte und nach Gabun kam, habe ich immer wieder überlegt, was hier so entscheidend anders ist. Bei einem Bierchen in einem Straßenlokal fällt es mir  wie Schleier von den Augen. In Äquatorialguinea gibt  es keine Musik und Fröhlichkeit, es ist nicht  das Schwarzafrika, welches ich eigentlich kenne. Die Leute machen dort meist einen gedrückten Eindruck. Das hängt wohl mit der brutalen Regierung zusammen.  Gabun ist zwar alles andere als eine Demokratie – aber den Menschen bleibt zumindest die afrikanische Fröhlichkeit – und Geld für ein abendliches Bier haben die Menschen allemal. Das war im Sammeltaxi schon so, als sich bei der zugegebenermaßen etwas lauten Musik der ganze Bus im Rhythmus der swingenden Fahrgäste bewegte. In der  Kneipe unter freiem Himmel  ist es wie im Kino – ich der Zuschauer. Ich sitze da bei einer Flasche Bier und gutem Fisch vom Grill, um mich herum wird mit den Hüften gewackelt, alles strahlt vor Lebensfreude. Anders als im realen Kino, werde natürlich auch ich von den Akteuren beobachtet.

Gabun – „Meine” UN-Staaten – zum 47sten

Von Gabun aus unternahm ich einen Sidetrip nach Sao Tome:

São Tomé und Príncipe „Meine” UN-Staaten – zum 144sten

Hier noch Infos zur Republik Kongo, dem nächsten Ziel:

Republik Kongo „Meine” UN-Staaten – zum 82sten

Die Reise endete schließlich in Angola:

193 – „Meine“ UN-Staaten – zum Siebten

 

Advertisements